Die Vererbungslehre und ihre Bedeutung in der Hundezucht

Die Anzahl aller Hunde weltweit wird auf 400 - 500 Millionen geschätzt. Davon sind etwa 50 - 60 Millionen anerkannte Rassehunde. Im größten kynologischen Dachverband für Hundebesitzer- und Zuchtvereine, der Fédération Cynologique Internationale (FCI) sind mehr als 300 verschiedene Rassen registriert. Davon sind etwa 100 reine Hunderassen, der Rest sind Varietäten. Nach Meinung vieler Züchter ist ein ernst zunehmendes Problem der Hundezucht, die schleichende Verkleinerung der Genpools. Da die einzelnen Hunderassen zwecks Einhaltung von Rassestandards in künstlich geschlossenen Populationen gezüchtet werden, kommt bei Rassen, die bereits über Jahrhunderte hinweg gezüchtet wurden, kaum mehr neues Genmaterial hinzu. Ein anderer Grund für die genetische Homogenität, ist das verschiedene Rassen bedingt durch äußere Umstände (z. B. Kriege) in der Vergangenheit beinahe vom Aussterben bedroht waren, und die Reorganisation der Zucht später, nur noch auf einen kleinen Genpool zurückgreifen konnte. Diese Faktoren führen seit längerer Zeit dazu, das die Verwandtschaftsgrade der Hunde innerhalb eines Rassestandards untereinander steigen. Mit steigendem Verwandtschaftsgrad steigt aber das Risiko, das rezessive defekte Gene zusammentreffen, wodurch bisher verborgene Krankheitsmerkmale auftreten können. Des Weiteren steigt auch das Risiko das noch nicht bekannte, bzw. neue Erbkrankheiten auftreten. Bisher sind bereits mehr als 800 verschiedene Erbkrankheiten bei Hunden bekannt und es kommen jährlich neue hinzu.

Die Anzahl aller anerkannten Rassehunde weltweit wird auf etwa 50 Millionen geschätzt.

Kleine Geschichte der Vererbungslehre

Gregor Johann Mendel (1822 - 1884) österreichischer Augustinermönch und Naturforscher, war ein Pionier auf dem Gebiet der Vererbungslehre. In jahrelangen Kreuzungsversuchen mit Erbsenpflanzen entdeckte er als erster die Gesetzmäßigkeiten der Vererbung und formulierte 1865 seine berühmten drei Mendelschen Regeln:

  1. Mendelsche Regel (das Uniformitätsgesetz): Werden zwei reinerbige (homozygote) Eltern (P-Generation) einer Art, die sich in einem einzigen sichtbaren Merkmal unterscheiden, miteinander gekreuzt, so zeigen die direkten Nachkommen (F1-Generation) bezüglich dieses Merkmals das gleiche äußere Erscheinungsbild (Phänotyp).
  2. Mendelsche Regel (das Spaltungsgesetz): Werden die Mischlinge der ersten Tochtergeneration (F1-Generation) untereinander gekreuzt, so spaltet sich die daraus hervorgehende Enkelgeneration (F2-Generation) immer in bestimmten Zahlenverhältnissen auf (z. B. 1:2:1 oder 3:1). Dabei treten auch die Erbmerkmale der Elterngeneration wieder auf.
  3. Mendelsche Regel (das Unabhängigkeitsgesetz): Werden zwei Rassen mit mehreren unterschiedlichen Erbmerkmalen untereinander gekreuzt, spalten sich die Erbmerkmale im Verhältnis 9:3:3:1 auf. Dabei werden die einzelnen Erbmerkmale unabhängig voneinander vererbt, sodass auch Neukombinationen entstehen können.

Die Mendelschen Regeln gerieten dann aber wieder in Vergessenheit und wurden erst in den Jahren 1864–1933 von C. E. Correns (deutscher Genetiker) E. Tschermak (österreichischer Genetiker) und H. de Vries (niederländischer Biologe) unabhängig voneinander neu entdeckt. Sie gelten bis heute. Die Forschungsergebnisse zeigen, das Individuen trotz uniformer äußerer Erscheinung (Phänotyp) unterschiedliche Gene (Genotyp) haben können. Sie belegen ebenfalls, dass die Ausprägung von Erbmerkmalen dominant oder rezessiv erfolgt. Die dominante Ausprägung setzt sich immer durch. Die rezessive Ausprägung wird unterdrückt.

Vererbungslehre und Mendelsche Regel einfach erklärt

Wie funktioniert Vererbung?

Besonders bei Rassehunden haben erbliche Erkrankungen stark zugenommen. Entsprechende Untersuchungen belegen, dass bestimmte genetisch bedingte Hundekrankheiten auf den Rassestandard zurückzuführen sind. Um zu erforschen, wie die Vererbung solcher krankmachender Erbanlagen bei Hunden funktioniert, haben Wissenschaftler das Erbgut der Hunde (Hundegenom) entschlüsselt. Hunde besitzen insgesamt 78 Chromosomen, auf denen, die für die Weitergabe der Erbanlagen notwendigen Erbinformationen gespeichert sind. Träger des Erbguts ist die in den Chromosomen enthaltene Desoxyribonukleinsäure, auch unter der Bezeichnung DNA bekannt. Außer den beiden Sexchromosomen X und Y (weibliche Tiere besitzen zwei X-, männliche ein X- und ein Y-Chromosom) haben Hunde also 38 weitere normale Chromosomenpaare (Autosome), auf die sich die Erbsubstanz (DNA) verteilt. Erbkrankheiten bei Hunden sind zu unterscheiden, je nachdem auf welchem Chromosom sie weitergegeben werden. Bei den sogenannten autosomalen Erbkrankheiten erfolgt die Weitergabe über die normalen Chromosome. Bei Weitergabe über eines der beiden Sexchromosome, spricht man von einer X- oder Y-chromosomalen Vererbung. Erbkrankheiten können des Weiteren entweder dominant oder rezessiv vererbt werden. Die meisten Erbkrankheiten bei Hunden werden durch autosomal-rezessive Genfehler verursacht. Die Erblichkeit krankmachender Gene ist für Züchter außerordentlich wichtig. Um Genfehler in den Zuchtlinien auszumerzen, ist heutzutage ein Gentest die beste Möglichkeit. Doch davon später. Zunächst einmal ein paar Worte zur Hundegenetik.

Angewandte Hundegenetik

Wenn Hundezüchter wüssten, für welche Erbkrankheiten einzelne Hunde prädisponiert sind, könnten sie gezielt entscheiden, welche Tiere sie weiterzüchten wollen. Wie oben aufgeführt besitzen Hunde insgesamt 78 Chromosomen, die in je zwei gleichen Strängen aus jeweils 39 Chromosomen mit über 100.000 Gene angeordnet sind. Die Gene sind an bestimmten physischen Positionen auf den Chromosomen verteilt. Die jeweils am selben Genort sitzenden zwei Einzelgene werden als Allele bezeichnet. Obwohl sie identisch sind, wirken sie unterschiedlich. Es gibt sowohl dominante, aktive Allele als auch rezessive, inaktive Allele. Das dominante Allele ist dabei das stärkere, das heißt, es setzt sich immer gegenüber dem rezessiven Allele durch. Eine Vererbung rezessiver Merkmale erfolgt nur dann, wenn beide Allele rezessiv sind. Hunde, die zwei gleiche Erbanlagen haben, also entweder jeweils zwei dominante oder rezessive Gene, werden als reinerbig (homozygot) bezeichnet. Hunde, die unterschiedliche Erbanlagen haben, bezeichnet man als mischerbig (heterozygot). Die beiden Typen werden in der Genetik durch einen einfachen Buchstabencode gekennzeichnet, dominante Gene durch Großbuchstaben (hier "A") und rezessive Gene mit Kleinbuchstaben (hier "a"). Erbkrankheiten, die über dominante Erbanlagen weiter vererbt werden, sind in der Regel unproblematisch, da zum Ausbruch bereits ein einzelnes Allel ausreicht. Der erkrankte Hund ist dann einfach aus der Zucht zu entfernen. Das Problem sind die rezessiven Erkrankungen. Mischerbig betroffene Hunde sind selber gesund. Die Krankheitsdisposition ist aber verborgen vorhanden. Solche mischerbigen Träger von rezessiven Merkmalen werden in der Hundezucht als Carrier bezeichnet. Ein Carrier ist an sich noch keine Gefahr für eine Zucht, wenn er mit reinerbigen gesunden Hunden gepaart wird. Einzelne krankmachende Gene werden durch ein vorhandenes dominantes gesundes Gen immer unterdrückt. Erst wenn das rezessive krankmachende Gen in doppelter Ausführung (Kopie) vorliegt, kommt es zum Ausbruch der Krankheit. Wenn zwei Carrier (z. B. ein Rüde (A) oder (a) mit einer Hündin (A) oder (a) miteinander gepaart werden, sind bereits 4 verschiedene Genkombinationen möglich (AA, aa oder zweimal Aa), wobei die Häufigkeitsverteilung eindeutig zugunsten der mischerbigen Nachkommen ausfällt. Um seine Hundepopulation gesund zu erhalten, muss ein Züchter zwischen reinerbig gesunden Hunde und mischerbigen Hunden unterscheiden. Hierzu eignet sich am besten ein DNA-Test.

Wozu dient ein Gentest bei Hunden?

Mit dem DNA Test für Gesundheit und Erbkrankheiten von DoggoDNA können bestimmte genetische und rassespezifische Erkrankungen bei Hunden in einer Zuchtlinie ausgeschlossen werden. Der Test ermöglicht bis zu 170+ verschiedene Erbkrankheiten (darunter Skelettale Erkrankungen, Muskelerkrankungen, Bluterkrankungen, Hauterkrankungen, neurologische Erkrankungen, usw.) bei Hunden bereits vor Ausbruch oder Auftreten der ersten Symptome erkannt und Präventivmaßnahmen ergriffen werden. Ein Beispiel ist die PRA Untersuchung bei Hunden. Die progressive Retinaatrophie Erkrankung (PRA) ist eine erbliche bedingte, langsam fortschreitende Erblindung beider Augen bei verschiedenen Hunderassen (z. B. Labrador Retriever, Golden Retriever, Irish Setter, Neufundländer u. a.) sowie deren Mischlinge. Um die progressive Retinaatrophie (PRA) in einer Zuchtlinie auszumerzen, kann eine PRA Untersuchung durchgeführt werden. Dafür wird lediglich eine EDTA-Blut- oder eine Speichelprobe vom Hund benötigt. Der DNA-Test ist ein 100% sicheres Verfahren um genetische und rassespezifische Erkrankungen bei Hunden in einer Zuchtlinie auszuschließen.

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